Am Sonntag, dem 29. Juni 2008 fand das erste Klassische Fechtertreffen statt. Eingeladen hatte Herr Siegfried Raczka aus Passau. Wir, das heißt eine Abordnung von zwei Fechterinnen und einem Fechter von Estoc, sind der Einladung sehr gerne gefolgt und nach Passau gefahren. Unser Fazit: Es war eine ganz tolle Veranstaltung!
Schon die Ankunft in Passau war überältigend. Nicht nur das Wetter war toll, auch die Stadt, die wunderschön gelegene alte Turnhalle des Turnvereins Passau, der angrenzende Sportplatz und der Wehrturm, in dem Sigi eine stimmungsvolle Fechterstube eingerichtet hat.

Insgesamt kamen zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem Fechtertreffen. Den Vormittag verbrachten wir damit, miteinander verschiedene kassische und historische Fechtaktionen zu üben. Es gab auch Gelegenheit, verschiedene Waffen oder Fechtweisen auszuprobieren.
Für uns Nordlichter war einiges neu, oder zumindest ungewohnt. So zum Beispiel der Einsatz der linken Hand oder die Bewegung auf der Kreisbahn. Hier konnten wir auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln. Außerdem war es toll, mal Fechtpartner für doch eher selten ausgeführte Waffenkünste wie Rapier und Dolch oder Hofdegen zu haben.

Nach einem Mittagsimbiß im Freien ging es dann weiter mit den nachgestellten „Duellen“. Die von Sigi ausgegebenen Regeln waren uns bekannt und wir bildeten Dreiergruppen, in denen jeweils einer focht und die anderen beiden „sekundierten“. Wir beschlossen, die Gefechte nur auf einen Treffer gehen zu lassen, da es sehr heiß war.

Die „Sekundanten“ der Fechter mußten mit den Sekundanten der Gegenpartei die Bedingungen des „Duells“ aushandeln, ganz ähnlich wie es bei den echten Duellen der Brauch war. Als Bedingungen konnte man neben der Art der Waffen (zur Wahl standen italienischer Duelldegen oder Hofdegen) auch wählen, ob der Einsatz der linken Hand erlaubt ist, oder die Hiebriposte, oder der Handwechsel während des Gefechts. Auch die Möglichkeit von Entwaffnungen konnte ausgehandelt werden, sowie der Raum, also die Begrenzung der Fechtbahn.

Da unsere Gruppe bisher nur „Klassisch“ gefochten hat nach dem Reglement und den Bräuchen einer etwas späteren Zeit, nämlich um 1900, hatten wir natürlich wenig Erfahrung mit der Parade mit der linken Hand oder mit Entwaffnungen, oder mit dem Bewegen in einer anderen Richtung als vor- und zurück.
Bei den ersten „Duellen“ bestanden wir deshalb meistens darauf, diese für uns ungewohnten Bedingungen nicht zu akzeptieren, aber mit der Zeit wurden wir selbstsicherer und haben schließlich doch fast alles ausprobiert und den ungewohnten Dingen zugestimmt und sie auch selber angewendet, und es hat uns großen Spaß gemacht. Auch Sigi hat uns alle nacheinander zum „Duell“ gefordert und uns mit seinen Aktionen überrascht. Viel Bewunderung erhielt ein szenisches Gefecht, das Sigi und Ravel aufführten.

Um 16 Uhr beendeten wir die Fechterei und saßen dann noch eine Weile bei Kaffee und Kuchen im Turm zusammen. Da wurde dann ausgiebig geplaudert, und die Waffensammlung von Sigi bewundert. Er zeigte uns auch in einer praktischen Vorführung, wie man auf dem recht kleinen Turm eine Fechtlektion geben kann, was wir anfangs kaum glauben konnten.
Es war eine schöne und gelungene Veranstaltung, für die wir uns bei Sigi und den Passauer Fechtern bedanken. Es ist viel Wert wenn sich die doch recht überschaubaren Anhänger der klassischen und historischen Fechtkünste in Deutschland treffen und austauschen können. Zwar gibt es vergleichsweise viele und qualitativ hochwertige Gruppen, die sich mit mittelalterlichem Schwertkampf beschäftigen, doch die Freunde der Fechtkünste ab der Renaissance sind noch nicht so zahlreich.
Umso mehr freuen wir uns über einen Gegenbesuch von Fechtern aus südlichen Gefilden bei uns im Norden, was für nächstes Jahr geplant ist.